Der kleine Weiler an der Straße von Arzberg nach Waldsassen dürfte wohl 1560 entstanden sein. Noch um 1650 erscheint der Ort als „auf dem See“.
So ist es durchaus wahrscheinlich, dass die dortigen Weiher die Reste eines vermoorten Sees sind. Wie groß die Siedlungen damals waren, mag man aus einem Verzeichnis um 1600 schließen, in dem Seedorf mit „einem Hof und 3 halben Gütlein“ erwähnt wird. Um das Jahr 1750 beschreibt ein Pfarrbuch den Ort so: „Seedorf, so den Namen von einem alten, eingegangenen See hat, liegt sehr tief in den Kohlwald hinein, an der pfälzischen Grenze und hat arme, abgebrannte Bauern von 5 oder 6 zerteilten Hütten und Häusern.“
Schon immer gehörte der Ort zur Kirchengemeinde Arzberg, aber politisch zu Schirnding.
Von 1840 an wurden die Kinder von Seedorf und Preisdorf in einer "Wanderschule" unter einem Handwerker als Lehrer unterrichtet. Das heißt, dass der Unterricht drei Tage in Preisdorf und drei Tage in Seedorf stattfand und zwar meist im Fischhaus Nr. 5. 1867 wurde durch einen Anbau an das Seedorfer Gemeindehaus ein extra Unterrichtsraum geschaffen. 1890 baute man in Heiligenfurt das heute noch vorhandene Schulhaus, wohin dann die Kinder aus Seedorf, Preisdorf, Heiligenfurt und Theresienfeld eingeschult wurden. Später mussten die Seedorfer Kinder zu Fuß nach Schirnding in die Schule gehen.
Wie in anderen Orten wurde auch in Seedorf lange Zeit die Köhlerei betrieben und in der Nähe des heutigen Bushäuschen stand an der Ostmarkstraße eine Ziegelei, deren Produkte besonders von den benachbarten böhmischen Bewohnern gerne gekauft wurden. Auch Töpfer aus Arzberg holten sich hier Ton, welchen sie mit dem vom Steinberg mischten. Aber bereits vor ca. 2000 Jahren verwendeten die Siedler diesen Ton für ihre Gefäße, wie aus Fundstücken in der aufgelassenen Siedlung Forchheim, ca. 2 km östlich, nachgewiesen werden konnte. Heute noch nutzt die Ziegelfabrik Hart in Schirnding das Vorkommen, nachdem jahrelang die Firma Jahreis aus Rathaushütte bei Grafenreuth hier Tonerde abgebaut hatte.

Ein Teil der "Tongruben" verwandelt sich nun langsam in ein Biotop, bei dem auch der seltene Sonnentau zu finden ist.

Nachdem im Jahre 1934 die Ostmarkstraße von Selb über Waldsassen in Angriff genommen worden war, erhielt Seedorf im Jahre 1938 ein Zollgebäude, wodurch die Bevölkerungszahl beträchtlich anwuchs. Bis zu 50 Personen wohnten hier. Heute ist das Gebäude allerdings nur noch ein Stützpunkt der Bundespolizei und soll noch in diesem Jahr aufgegeben werden, da die gesamte Mannschaft nach Selb verlegt werden wird.

Natürlich gingen auch der Krieg und seine Folgen an Seedorf nicht vorüber. So musste der Ort zwar nur 2 Gefallene verzeichnen, es waren aber 20 Heimatvertriebene aufzunehmen. Das führte dazu, dass im Jahre 1950 Seedorf 33 Evangelische und 34 Katholische zählte. In den folgenden Jahren relativierte sich das Verhältnis wieder und heute sind es noch 18 Evangelische und 8 Katholische.
2 Vollerwerbslandwirte bewirtschaften noch die Felder. Ein kleines, familiär geführtes Gasthaus erfreut sich immer noch eines guten Zuspruchs. Es war auch immer wieder Gastgeber für winterliche Bibelabende, die im Januar 2013 wiederbelebt wurden.
Das Ortsbild wird heute durch die alten Häuser, zwei Neubauten und die alten Bäume entlang der Straße geprägt.


(Nach den Aufzeichnungen von Johann Rieß in „Sechsämter–Land“, der Heimatbeilage der "Sechsämter Neuesten Nachrichten" aus dem Jahr 1951)
     

Seedorf August 2008
ergänzt Januar 2013