Sucht man heute im Internet nach „Raithenbach“, so wird etliche Male auf den Brand am 23. März 2010 hingewiesen. Bilder verdeutlichen die Gefahr, die von den Feuerwehren noch rechtzeitig gebannt werden konnte. Heute ist von der Brandstelle kaum noch etwas zu sehen. Viel zu sehen ist allerdings noch von den Erfolgen der Dorferneuerung, die bereits 1998 abgeschlossen werden konnte. In der Dorfmitte ist ein wunderschöner Treffplatz entstanden, der oft schon große Wandergruppen aufnehmen konnte.


Aber auch die Hausbesitzer geben sich große Mühe, den freundlichen Eindruck des Dorfes zu mehren. So erstrahlt nicht nur an der ehemaligen Straße nach Hohenberg ein altes Bauernhaus in neuem Glanz, auch andere Gebäude sind fein herausgeputzt.

Gehen wir aber kurz in die Geschichte des Dorfes. Die Rodungsführer erbauten sich um 1200 meist einen festen Sitz in ihren Orten. So ist 1252 auch ein Arnold von Raitenbach erwähnt, der offensichtlich der Herr im Ort war. Bald jedoch übersiedelten die Herren nach Erkersreuth bei Selb, wo sie sich wohl besser fühlten als in dem als „klein, mit eitel armen Fronbauern bewohnt“ beschriebenen Dorf. Nachdem der Ort zunächst zu Eger gehört hatte, kauften ihn die Burggrafen von Nürnberg um das Jahr 1400, was zur Folge hatte, dass die Fronleistungen der Bauern jetzt nach Nürnberg bzw. nach Hohenberg gingen. So mussten sie z.B. „außer mit 10 Stück Anspann zum Schloss Hohenberg mit vier Pflügen je Hof ackern und mit vier Schnittern

schneiden, dazu die Wiesen, die im Weißenbach liegen, heuen und das Heu in den Stadel schaffen“. Übrigens erhielt schon damals der Pfarrer von Arzberg 1/3 des Zehnten auch von den Raithenbachern. Bevor wir in die neuere Zeit kommen, sei noch auf eine Besonderheit hingewiesen. Wie die Jagd war auch die Teichwirtschaft streng geregelt und die Nutznießer mussten einen Zins an den Landesherrn entrichten. So wird über Raithenbach berichtet, dass sich die damals fünf Höfe drei Weiher teilten „in der Metlitz und unten am dorff gelegen“. Es ist anzunehmen, dass der heutige Dorfteich jener genannte Weiher war.

Zur rechtlichen Lage der Gemeinde sei vermerkt, dass sie im Jahre 1818 mit Dietersgrün, Rosenbühl und Kothigenbibersbach eine selbständige Landgemeinde mit dem Namen „Kothigenbibersbach“ wurde. Der letzte Bürgermeister war Karl Wagner von der Ziegelhütte, der von 1960 bis 1977 die Geschicke der Orte leitete. Am 1. April 1977 kam dann Raithenbach im Zuge der Gebietsreform zu Schirnding. Eine Schule gab es in Raithenbach übrigens auch. Im sogenannten „Hirtenhäuschen“ wurden ab etwa 1800 die Kinder von einem Herrn Schindler unterrichtet. 1824 wurde diese Schule wieder aufgelöst und die Kinder nach Schirnding eingeschult.
Dass Raithenbach mit der Zeit ging, zeigt sich auch darin, dass es bereits 1921 eine Stromleitung von Dietersgrün her – noch vor Schirnding – bekam. 1927 wurde eine Wasserleitung eingerichtet, bis 1973 der Gemeinderat in Kothigenbibersbach den Bau einer neuen Wasserversorgung beschließt, mit der Raithenbach an die „Arzberger Gruppe“ angeschlossen wird.
Nach dem 2. Weltkrieg wurden katholische Flüchtlinge, die aus dem Sudetenland ausgewiesen worden waren, hier einquartiert, von denen etliche da blieben und sich auch Häuser bauten. Zurzeit hat Raithenbach 47 Einwohner, von denen daher nur 17 evangelisch sind. Früher gab es hier 9 Bauernhöfe, jetzt ist nur noch ein Vollerwerbslandwirt tätig.
Herzlichen Dank sei hier Herrn Köppel gesagt, der uns bei einem Besuch in seinem Haus im Jahr 2010 viel über die Geschichte des Ortes erzählen konnte.
Noch bis 1975 gab es an der Schirndinger Straße in der „Raithenbacher Ziegelhütte“ ein gut besuchtes und beliebtes Gasthaus. Der Name weist übrigens auf den lange Zeit dort betriebenen Kalk- und Ziegelofen hin. Heute ist ein schmuckes Wohnhaus daraus geworden.
Es lohnt sich, diesen kleinen Ort einmal zu besuchen, zumal man von dort aus schöne Wanderungen am Steinberg unternehmen kann. Im Frühjahr sind besonders die Blumenwiesen nördlich von Ottenlohe einen Besuch wert.

Raithenbach August 2010/2016