´

„Um 900 mag es gewesen sein, als harte Männer, sicher unter sich bekannt, wie Beregar, Garman, ein Konrad, Dieter, Korbian von dem Grafen von Sulzbach den Auftrag bekamen, den Urwald, in dem ja noch Wölfe und Bären hausten, mit ihren einfachen Geräten umzuforsten, eben zu "reuthen". Für Garman mag es das Los gewesen sein, das ihm den Talgrund mit seiner melancholischen Schönheit zuwies.“ Mit diesen Worten beginnt Wilhelm Kießling seinen Vortrag 1981 über Garmersreuth zur Erinnerung an die Eingemeindung nach Arzberg. Er erzählt weiter vom einfachen Leben der ersten Siedler, von den Gefahren durch Krieg und räuberische Rotten sowie von der Pest, die auch in dem kleinen Dorf viele Menschen dahingerafft hat. Zunächst mussten die Garmersreuther nach Eger zinsen, bis 1423 die Stadt Arzberg 5 Mannschaften mit ihren Gütern der Stadt Eger abkaufte. Die Bauern ermöglichten auf diese Weise mit anderen Stiftungen die Errichtung einer zweiten Pfarrstelle, die sogenannte Frühmesse. Weitere Spenden erwähnt Kießling so: „Wie treu Garmersreuth der Kirche gegenüber war, zeigt, dass sie 1677 aus christlicher Milde zur neuen Orgel spendeten, dass sie 24 Fuder Steine zum Neubau anfuhren und dass Michael Mart die Gebetsglocke stiftete.“
Heute zeigt sich Garmersreuth neu herausgeputzt, seit im November 2009 die Baumaßnahmen zur Dorferneuerung abgeschlossen werden konnten. Die Straße ist sauber geteert, die Hofeinfahrten haben eine Pflasterung bekommen und neue Straßenlampen wurden installiert.
Natürlich wurde auch der Dorfteich neu gestaltet. Ein Holzsteg führt jetzt zum Wasser, das ohne die Entengrütze zum Baden einladen würde, zumal eine Sitzgruppe zum Verweilen verführt. Man kann wohl feststellen: Garmersreuth ist schöner geworden! Die Hofbesitzer haben sich auch anregen lassen, ihre Fassaden freundlicher zu gestalten - und im Dezember kommt der Posaunenchor des CVJM Arzberg zum Adventsblasen und wird immer freundlich mit Glühwein bewirtet.

Aber kehren wir noch einmal in die Geschichte zurück.

1436, im Sommer. Im Fichtelgebirge ist eine Räuberbande unterwegs. Es war eben leichter, seinen Lebensunterhalt dadurch zu bestreiten, sesshaften Bauern in den wehrlosen Dörfern ihr Hab und Gut zu rauben, als sich mit ehrlicher Arbeit in die Gemeinschaft einzubringen. Diesmal sollen es „Adelige“ aus der Gegend um Kronach gewesen sein, die den Garmersreuthern 12 Pferde raubten. Das war ein ungeheuerer Verlust für das Dorf. Aber was war das schon für ein Elend gegen das, was später im 30-jährigen Krieg geschah.
1632, wieder einmal fallen Kroatenhorden in unserer Gegend ein. Arzberg und Thiersheim werden in Schutt und Asche gelegt. Aber auch die Dörfer haben zu leiden, werden doch Vieh und Nahrungsmittel geraubt. Manchmal wird sogar das Getreide direkt von den Feldern durch die Pferde abgefressen. Die Kroaten werden in den Büchern besonders erwähnt, weil sie sich sehr grausam benommen haben. Natürlich sind auch noch viele andere Kriegshorden durch unser Gebiet gezogen – und immer wieder wird von Plünderungen und Brandschatzung erzählt. Da ist es erstaunlich, dass in Garmersreuth überhaupt noch Bauern übrig blieben.
1945, 20. April. Von Westen her nähern sich etliche Regimenter der amerikanischen Armee mit Panzern und Geschützen. In kurzer Zeit ist Garmersreuth voll von Fahrzeugen und in der Dorfmitte wird eine Feldküche aufgebaut. Die Bewohner haben ihre Häuser zu verlassen und müssen im Kohlbergl Zuflucht suchen, wo sie in einer Jagdhütte Unterkunft finden. Aber im Gegensatz zu den mittelalterlichen Einquartierungen geschieht der Bevölkerung nichts. Der Krieg ist sozusagen menschlicher geworden – jedenfalls für die kleinen Orte. Vor dem Dorf werden 6 Geschütze in Stellung gebracht, mit denen Hohenberg und Eger beschossen werden. Dort werden noch SS-Stellungen vermutet. Zwei Tage dauert dieses Intermezzo nur, dann ziehen die Soldaten weiter.
Kurze Zeit später kommen vier schlesische Trecks mit acht Pferden im Dorf an. Es sollen Gutsherrschaften gewesen sein, die ihr gesamtes Gesinde dabei hatten. Insgesamt sind es ca. 80 Personen, die vorübergehend in den Häusern untergebracht werden müssen. In den Zimmern wird Stroh aufgeschüttet, damit wenigstens provisorische Nachtlager zur Verfügung stehen. Natürlich helfen die Garmersreuther auch mit Essen aus – dann ziehen die Flüchtlinge weiter.
Kommt man heute nach Garmersreuth, so kann es passieren, dass ein Völkchen Hühner mit einem prächtigen Hahn das Begrüßungskommando spielt. Ansonsten ist es ruhig im Dorf. Ab und zu fährt ein Traktor auf die Felder, aus den vier Höfen, die noch bewirtschaftet werden, klingen die Geräusche der Milchkühe und ein Hofhund meldet die Besucher.
Bleibt noch zu erwähnen, dass um 1800 die meisten der heute noch stehenden Häuser in Stein aufgeführt wurden, nachdem ja früher der Holzbau üblich war. Beim Anwesen der Familie Heuschmann zeigt der Schlussstein über der Türe das Jahr 1782, zwei andere, leider übertünchte Steine, verweisen auf die Jahre 1822 und 1854.
Stein1Stein2Stein3
Heute wohnen in Garmersreuth 25 Bürger, von denen 24 evangelisch sind. Ja, und seit 1972
ist die Gemeinde ein Ortsteil von Arzberg, wie sie es ja schon früher einmal war.

Garmersreuth Juni 2010 ergänzt Februar 2017