2 alte Bauernhöfe, 2 Aussiedleranwesen, ein kleines „Ferienhaus“ so zeigt sich heute der Weiler Rosenbühl, in dem 16 Evangelische zuhause sind – und er hat gleich drei Namen. Rosenbühl, das deutet auf einen rosenbestandenen Haag hin. „Kümmlbüchs’n“, da könnte von einer Schafweide mit Pferdekümmel die Rede sein und „Dreimäderlhaus“.

Im Trüpfhäuschen an der „Heeresstraße“, der alten Haupthandelsstraße von Franken nach Böhmen, wohnte um 1900 der „Röder Hanne“. Seine Frau schenkte ihm drei hübsche Mädchen, die bald in der ganzen Gegend berühmt waren. Hätte das schon genügt, um einen so netten Namen entstehen zu lassen, so sorgte der Röder Georg Mitte des letzten Jahrhunderts für weitere drei junge Damen. Übrigens wurde dieser Röder auch dadurch bekannt, dass er nach dem 2. Weltkrieg ein Pferd angeschafft hat und interessierte Leute in der Gegend umherkutschierte.

1936 wäre Rosenbühl fast so etwas wie der Mittelpunkt der Welt geworden. Da wurde eine Straße nach Selb geplant, bei Rosenbühl hätte sie die Fernstraße gekreuzt, doch leider wurde der Bau hier eingestellt. Aber noch einmal rückte der kleine Ort in den Mittelpunkt des Geschehens. 1938 wurde mit dem Bau der Autobahn Bayreuth – Karlsbad begonnen. Direkt hinter dem Hof der Familie Rogler wurde mit Seilbaggern eine 60 m breite Rinne in den Boden gezogen. Leider - oder glücklicherweise - zog sich der Bau ewig hin, bis er 1944 ganz eingestellt wurde. Die Zwangsarbeiter mussten nach Osten abziehen, um dort für den Straßenbau zur Verfügung zu stehen.


Aber kehren wir zu den Anfängen zurück. Ende des 18. Jhd. siedelten sich zwei Familien aus Dietersgrün hier auf der Höhe an, um der Enge des kleinen Dorfes zu entkommen. Fast 300 Jahre blieben sie neben den Bewohnern des Trüpfhäuschens die einzigen Landwirte hier oben. Erst im Jahre 1957 zog die Familie Lanzendörfer in ihren modernen Aussiedlerhof, der im Stil einer amerikanischen Farm konzipiert war und viele Interessierte anlockte. 1964 folgte die Familie Gewinner, ebenfalls aus Dietersgrün, mit ihrem Hof am Waldrand. Bis 1972 gehörte man zur Gemeinde Kothigenbibersbach, dann entschieden sich die Bewohner für Arzberg.

Turbulente Tage verlebten die Einwohner noch um den 20. April 1944, als eine Kompanie Amerikaner sich im Anwesen der Familie Pöhlmann einquartierte, um die Versorgung der Truppen in der damaligen CSSR zu organisieren. Durch Klugheit und Freundlichkeit verlief diese Episode ohne irgendwelche Schäden.Die letzten Erinnerungen an die Kriegsjahre verschwanden, als die „Autobahn“ 1954 im Zuge der Flurbereinigung wieder eingeebnet wurde. Gut für die Landwirte, etwas traurig war es für das damalige „Jungmännerwerk“, das hier einen gut geebneten Sportplatz gefunden hatte.

Rosenbühl April 2010